HVO100 – Ein weiterer Schritt Richtung nachhaltige Mobilität
Wie der Biokraftstoff unsere Flotte emissionsärmer macht und als Brückentechnologie die CO₂-Bilanz verbessert
v.l.n.r. Andreas Knaack, Anton Mendjan
Unser Kollege Andreas Knaack, Leiter Produkte und Services, beantwortet Fragen zum Thema HVO100, einem biogenen Dieselkraftstoff aus Reststoffen. Er erklärt, wie HVO100 funktioniert, welche Fahrzeuge ihn nutzen können, welche CO₂-Einsparungen möglich sind und welche Herausforderungen es bei der Einführung gibt.
Kannst du kurz erklären, was HVO100 ist und wie es sich von herkömmlichem Diesel unterscheidet?
HVO100 ist ein biogener Dieselkraftstoff, der aus Rest- und Abfallstoffen hergestellt wird. Im Gegensatz zu herkömmlichem Diesel basiert er nicht auf fossilen Rohstoffen, sondern beispielsweise auf gebrauchten Speiseölen oder anderen nicht mehr verwertbaren Lebensmitteln.
Der Einsatz von HVO100 führt zu geringeren CO₂-Emissionen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg, da die Ausgangsstoffe bereits Teil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs sind. Beim Verbrennen im Motor entstehen zwar ähnliche Abgase wie bei Diesel, in der Gesamtbilanz wird jedoch weniger CO₂ freigesetzt.
Wichtig ist, dass HVO100 keine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion darstellt. Es werden ausschließlich Stoffe verwendet, die ohnehin entsorgt würden. Es werden also keine zusätzlichen Anbauflächen benötigt.
Darüber hinaus ist HVO100 chemisch reiner als herkömmlicher Diesel und wirkt dadurch leicht reinigend auf den Motor.
Welche Fahrzeuge können HVO100 nutzen und braucht man eine spezielle Umrüstung?
Zunächst muss man unterscheiden: HVO100 ist ein Ersatz für Diesel. Daher betrifft das ausschließlich unsere Dieselflotte, also den aktuell noch größten Teil unserer Fahrzeuge.
Grundsätzlich können fast alle Fahrzeuge mit HVO100 betrieben werden, sofern sie ein neueres Herstellungsdatum haben. Für jedes Fahrzeug in unserer Flotte holen wir eine Freigabe vom Hersteller ein, um sicherzustellen, dass der Einsatz unbedenklich ist.
Eine technische Umrüstung ist nicht erforderlich. HVO100 kann problemlos mit Diesel gemischt werden, das Fahrzeug muss also nicht leergefahren werden. Man kann heute HVO100 tanken, morgen Diesel und danach wieder HVO100.
Wie groß ist die CO2-Einsparung im Vergleich zu fossilem Diesel?
Bei herkömmlichem Diesel liegt der Emissionsfaktor pro Liter bei rund 2,66 Kilogramm CO₂. Beim Einsatz von HVO100 liegt dieser Wert bei etwa 0,04 Kilogramm CO₂ pro Liter und der restliche Teil darf aus der Bilanz herausgenommen werden, da es sich um Abfallstoffe und keine fossilen Brennstoffe handelt. Das bedeutet eine sehr deutliche Einsparung, die in unserem Reporting nahezu zu einer emissionsfreien Bilanz führt.
Und welche Herausforderungen gibt es bei der flächendeckenden Einführung?
Die größte Herausforderung bei der flächendeckenden Einführung von HVO100 ist das begrenzte Tankstellennetz in Deutschland. Aktuell bieten nur knapp 4% aller Tankstellen HVO100 an, und das vor allem für den Schwerlastverkehr. Klassische Partner wie Aral oder Shell konzentrieren sich also auf Lkw-Tankstellen, während Tankmöglichkeiten für Pkw oft fehlen.
Deshalb arbeiten wir zusätzlich mit UTA zusammen, einem Verbund überwiegend freier Tankstellen, die HVO100 anbieten. Aktuell sind das ca. 260 Standorte deutschlandweit. Die Verteilung ist jedoch nicht gleichmäßig, sodass Abstände zwischen 500 Metern bis zu 50 Kilometern möglich sind. Wir wollen aber, dass niemand einen Umweg fahren muss, um HVO100 zu tanken.
Vor diesem Hintergrund prüfen wir alternative Lösungen. Also wenn Tankstellen nicht verfügbar sind, bringen wir die Tankstelle zum Fahrzeug. Zum Beispiel über Projekte wie das Tankmobil in Bonn, bei dem ein Tankwagen mehrere Standorte bedient. Zudem sprechen wir mit Anbietern wie Shell und Aral über sogenannte Hotspot-Tankstellen, an denen wir gemeinsam Tankmöglichkeiten schaffen, die sonst wirtschaftlich nicht tragbar wären.
Wie reagieren Fahrzeughersteller auf den Einsatz von HVO100 – unterstützen sie ihn offiziell?
Der Fokus der Hersteller liegt auf dem Verkauf neuer Produkte, vor allem im Rahmen ihrer Elektrifizierungsstrategien. Ein direkter Vorteil für die Hersteller entsteht durch den Umstieg auf HVO100 zunächst nicht. Dennoch nutzen einige Hersteller HVO100 selbst und bieten für die Erstbetankung von Dieselfahrzeugen bereits HVO100 an.
Die eigentliche politische und wirtschaftliche Dynamik rund um HVO100 liegt eher bei der Mineralölindustrie. Dort besteht ein Interesse daran, nachhaltige Kraftstoffe anzubieten, um den Übergang von Diesel und Benzin zu alternativen Antrieben zu begleiten. HVO100 spielt also in diesem Kontext eine Rolle im Rahmen der sogenannten Technologieoffenheit.
Und wie reagieren unsere Kunden, die den Kraftstoff ausprobieren?
Unsere Kunden reagieren unterschiedlich auf den Einsatz von HVO100. Also angefangen von: „ich habe noch gar nicht verstanden, was das ist“, was zeigt, dass Kommunikation eine wichtige Rolle spielt. Bis zu: „Ich würde das gerne unterstützen, aber bei mir gibt es keine Tankstelle“. Grundsätzlich besteht also Offenheit, aber es zeigt sich, dass die Verfügbarkeit entscheidend ist.
Ähnlich wie bei der Elektrifizierung gilt: Wo es Hürden gibt, ist die Nutzung geringer. Selbst kleine Änderungen, wie ein anderer Parkplatz oder eine geänderte Tankroutine, können die Akzeptanz beeinflussen. Menschen sind oft Gewohnheitstiere, und selbst praktische Lösungen wie Service-Tankungen müssen in den Alltag passen, damit sie angenommen werden
Wie fügt sich HVO100 in die Gesamtstrategie der Telekom MobilitySolutions ein?
Um es deutlich zu sagen: HVO100 ist keine Konkurrenztechnologie zur Elektrifizierung. Den Weg der 100%igen Transformation zur Elektromobilität werden wir konsequent weiterführen.
Der Einsatz von HVO100 ist für uns eine zeitlich begrenzte Möglichkeit unsere bestehende Dieselfahrzeugflotte nachhaltiger und umweltfreundlicher zu betreiben. Für die klassischen Flottenfahrzeuge ist dieser Kraftstoff keine Massenlösung, vielmehr ist er für schwer elektrifizierbare Bereiche, wie LKW-Flotten, Luftfahrt und Schienenverkehr vorgesehen.
Vielen Dank, Andi, für das Gespräch.